Künstliche Intelligenz ist längst im Praxisalltag angekommen. Sie steckt in Smartphones, Praxisverwaltungssystemen, Medizinprodukten und zunehmend auch in Anwendungen, die bei Diagnostik, Dokumentation oder Therapieentscheidungen unterstützen.
Für Arzt- und Zahnarztpraxen stellt sich deshalb nicht mehr allein die Frage, ob sie mit KI in Berührung kommen, sondern wie sie damit verantwortungsvoll, sicher und strukturiert umgehen.
Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: KI kann unterstützen – die Entscheidung bleibt beim Menschen.
KI kann Abläufe erleichtern, Informationen aufbereiten und medizinische Entscheidungen unterstützen. Gleichzeitig ist für Anwenderinnen und Anwender nicht immer nachvollziehbar, wie ein System zu einem bestimmten Ergebnis kommt oder auf welcher Datenbasis es arbeitet.
Praxen sollten daher klare Regeln für den Einsatz von KI festlegen: Welche Anwendungen sind erlaubt? Für welche Zwecke dürfen sie verwendet werden? Wer trägt die Verantwortung für Überwachung, Prüfung und Eskalation bei Auffälligkeiten?
Nicht jedes KI-Tool eignet sich automatisch für den professionellen Einsatz im medizinischen Umfeld. Vor der Einführung sollte geprüft werden, wofür die Anwendung vorgesehen ist, welche Herstellerangaben vorliegen und ob sie eine medizinische Zweckbestimmung hat.
Bei Anwendungen, die Diagnostik oder Therapie unmittelbar unterstützen, ist insbesondere zu prüfen, ob sie als Medizinprodukt einzuordnen sind und die jeweils erforderlichen Konformitäts- beziehungsweise Zertifizierungsanforderungen erfüllen. Auch der klinische Nutzen und die Einsatzgrenzen der Anwendung sollten nachvollziehbar sein.
Neue Anwendungen sollten zunächst getestet werden, bevor sie verbindlich in den Praxisalltag integriert werden.
Ein wichtiger Schritt ist eine Bestandsaufnahme aller KI-Anwendungen in der Praxis. Dabei helfen folgende Fragen:
Eine solche Übersicht kann beispielsweise in das Qualitätsmanagement der Praxis integriert werden.
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit KI arbeiten, sollten entsprechend geschult werden. Neben der Bedienung der Anwendungen sollte klar sein, welche Tools in der Praxis freigegeben sind, welche Grenzen gelten und wie mit KI-generierten Ergebnissen umzugehen ist.
Besondere Vorsicht gilt bei sogenannter „Schatten-KI“ – also Anwendungen, die ohne offizielle Prüfung oder Freigabe innerhalb der Praxis genutzt werden. Hier können Sicherheits-, Datenschutz- und Haftungsrisiken entstehen.
Auch überzeugend formulierte KI-Ergebnisse können fehlerhaft sein. Deshalb bleiben die fachliche Einschätzung sowie die medizinische Verantwortung von Ärztinnen, Ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten unverzichtbar.
KI-Ergebnisse sollten stets im Kontext des individuellen Falls geprüft werden. Gerade bei Anwendungen mit Bezug zu Diagnostik oder Therapie ist es sinnvoll, die eigene fachliche Einschätzung und wesentliche Entscheidungsgrundlagen nachvollziehbar zu dokumentieren.
Auch für den Umgang mit Patientinnen und Patienten sollten klare Prozesse bestehen – etwa dazu, wann eine Aufklärung erforderlich ist und unter welchen Voraussetzungen Einwilligungen eingeholt werden müssen.
Künstliche Intelligenz kann Arzt- und Zahnarztpraxen sinnvoll unterstützen – vorausgesetzt, ihr Einsatz ist geprüft, geregelt und im Team verankert.
Entscheidend bleiben klare Verantwortlichkeiten, dokumentierte Prozesse und die fachliche Kontrolle der Ergebnisse.
KI kann unterstützen. Die medizinische Verantwortung und Entscheidung bleiben beim Menschen.
Quelle und fachliche Grundlage: Der Beitrag greift Inhalte aus dem Artikel „KI im Praxiseinsatz“ von Rebekka Höhl auf, erschienen in der Ärzte Zeitung, Nr. 10 vom 28. Mai 2026.